Wer die Möglichkeit hat, in den nächsten Tagen mit einem größeren Amateurfernrohr oder einem wissenschaftlichen Fernrohr den Himmel zu beobachten, sollte bei gutem Wetter versuchen, das Teleskop in Richtung der Spiralgalaxie M101 (Feuerradgalaxie) im Sternbild Großer Bär (Ursa Maior) zu richten. Warum? Weil dort am 24. August eine Supernova entdeckt wurde, die am 9. September ihre größte Helligkeit erreichen wird und dann auch mit kleineren Amateurfernrohren als kleines Sternchen zu erkennen sein sollte.
Nähere Infos, Bilder und Aufsuchkärtchen gibt’s hier bei Scilogs.
Clear Skies!


Was mich stört, Atheisten…
Rund um den zehnten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon hat der Österreich-Ableger der Giordano Bruno-Stiftung auf seiner Facebook-Seite “Atheism” das folgende Bild gepostet:
Die Aufschrift soll wahrscheinlich aussagen, dass das World Trade Center noch stünde, wenn es keine Religion gäbe. (Die andere Interpretation, “Stellt euch vor es gibt keine Religion–also weg mit dem Kreuz!”, erscheint doch ein wenig zu heftig.)
Ab hier wird es geschmacklos. Im Umkehrschluss bedeutet die obige Aussage, dass die Twin Towers nicht mehr stehen, weil es Religionen gibt. Es tragen also die bösen Religionen, und da natürlich insbesondere die bösen Moslems, daran Schuld, dass über dreitausend Menschen an jenem 11. September umkamen.
Fakt ist, dass die Anschläge von einer islamistischen Terrororganisation verübt wurden, die in ihren Heimatländern eine ökonomische und politische Lage vorgefunden hat, die es ermöglicht hat, Selbstmordattentäter zu rekrutieren. Was mich an dem Bild besonders stört, ist, dass es Religion und religiösen Fundamentalismus gleich setzt. Diese Gleichsetzung ist schlicht und ergreifend falsch und erinnert mich vor allem an die Wahlpropaganda der FPÖ. Von der Fecebook-Präsenz einer “humanistisch-aufklärerischen Denkfabrik” (Eigendefinition) hätte ich mir das nicht erwartet.
Was mich auch stört, liebe Atheisten, ist, dass manche von euch gerne mal missionieren und dabei implizit die Anhänger von Religionen als dumm, fanatisch, radikal oder zurückgeblieben darstellen. In diesem Wesenszug seid ihr nicht viel besser als die Religionen, die ihr kritisiert; man könnte meinen, der Atheismus würde selbst zur Religion. Aus einer persönlichen Perspektive kann mir das egal sein–ich weiß genau, woran ich nicht glaube. Aus einer gesellschaftspolitischen Sicht ist mir das nicht egal. In unserer Gesellschaft ist es zum Glück jedem freigestellt, woran er (nicht) glaubt, egal ob das Gott, Allah oder das fliegende Spaghettimonster ist. Ein säkularer Staat kann aber nur dann gut funktionieren, wenn die Bürger einander gegenüber tolerant sind, wenn sie auch mal den Mut aufbringen, über den Tellerrand des eigenen (Nicht-)Glaubens zu blicken und andere Religionen und die damit verbundenen Kulturen kennen zu lernen*. Ich wünsche mir diese Toleranz und finde, frei nach Popper, dass sich die Gesellschaft das Recht herausnehmen muss, die Intoleranten nicht zu tolerieren.
Darunter sind einige von euch, werte Atheisten.
*mehr über die Versuche der österreichischen Atheisten, dies zu behindern, gibt’s hier.
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