Was die Wiener Linien nicht falsch machen

Es ist leicht, über die Wiener Linien zu schimpfen. Viele Wienerinnen und Wiener tun das regelmäßig. Natürlich kann man sich über vieles beschweren. Erst im Vergleich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in anderen Städten fällt auf, dass die Wiener Linien auch einige Dinge richtig machen.

Nachtbusse. Klar, manchmal muss man fast eine halbe Stunde auf den Bus warten und die Umsteigemöglichkeiten sind nicht gut geplant, aber: es gibt sie, sie fahren öfter als 3x pro Nacht und sind verlässlich. Besser wär’s, wenn sie jede Viertelstunde führen und eventuell die U-Bahnen an Wochenenden rund um die Uhr in Betrieb wären.

Infos. Insiderwissen oder einen guten Stadtplan muss man in einigen anderen Städten haben, um an der Bushaltestelle zu erkennen, mit welchem Bus man wie weit fahren muss, um in eine bestimmte andere Linie umsteigen zu können. Ich weiß nicht wieso, aber in manchen Städten (Stockholm z.B.) kann man den Haltestellenfahrplänen nicht entnehmen, welche Stationen eine Linie hat.
Ähnliches gilt für die Stationsansagen in den Bussen, Straßenbahnen und Öffis. Die Durchsagen der Wiener Linien sind leider ein anderes Thema.

Fahrpreise. 1,80€ pro Fahrt sieht auf den ersten Blick nach viel aus. Im Vergleich zeigt sich aber: so teuer ist das gar nicht. In Stockholm kostet eine Einzelfahrt 40 SEK (ca. 4€). In London kann man die pro Kilometer teuerste Zugsfahrt machen: 43 Sekunden, 260 Meter, 4 Pfund (ca. 4,60€). Zugegebenermaßen, mit der Oyster Card kostet die selbe Fahrt nur 1,60 Pfund, aber dafür gibt es gegen die Oyster Card andere Bedenken. In New York kostet eine Fahrt 2,25$ (ca. 1,60€). In manchen Städten kann man zudem nicht kostenlos von der U-Bahn zum Bus umsteigen.

Tickets, Drehkreuze und Kontrollen. „Guten Tag, Faaahrscheinkontrolle!“ Ein sicherer Weg, in der U-Bahn die Augen auf sich zu ziehen. Die andere Methode: Drehkreuze an allen Ein-und Ausgängen von U-Bahnstationen. Die sind nicht nur relativ teuer und fehleranfällig, sondern müssen auch jeweils durch mindestens einen Angestellten oder eine Angestellte betreut werden, damit Leute mit Kinderwägen auch durch können und gleichzeitig niemand einfach über das Drehkreuz hüpft. Richtig kompliziert wird es in jenen Städten, in denen der Fahrpreis von der Länge der zurückgelegten Strecke abhängig ist–wenn das Ticket zuwenig wert ist, kommt man erst durch Aufzahlen wieder raus. Kaum zu glauben, aber Wien spart hier auch bei den Personalkosten–einige U-Bahnstationen sind komplett unbesetzt und werden nur fernüberwacht. Die Busse sind ein bisschen schneller, weil nicht ausnahmslos alle vorne einsteigen und dem Fahrer das Ticket zeigen müssen. Und wenn man nicht ausreichend Kleingeld dabei hat, weil der Bankomat eben nur große Scheine ausspuckt, darf man in einigen Städten zu Fuß gehen. In Wien…naja, ihr wisst schon.

„Ich weiß, wo du letzten Sommer gefahren bist“. Den Ärger mit dem Ticketkauf bewegte viele Städte dazu, Karten mit Magnetstreifen oder RFID für Vielfahrer einzuführen. Das bekannteste Beispiel ist die Londoner Oyster Card. Diese Karten können mit Geld oder mit Fahrten „aufgeladen“ werden oder als Monatskarte fungieren. Dazu muss jede Karte eindeutig identifizierbar sein, wodurch es sehr einfach wird, Bewegungsprofile von Personen zu erstellen. Praktisch–für Big Brother.

Fahrpläne. Es ist schwer, in Wien eine Linie zu finden, die nicht in der Zeit zwischen 6:30 morgens und 23:30 abends zumindest alle 15 Minuten fährt.

Winke-Winke. Muss man in manchen Städten (Canberra z.B.) machen, um einem Bus zu signalisieren, dass man gerne mitfahren würde. Wenn man den Bus übersieht darf man (z.B.) eine halbe Stunde auf den nächsten warten.

2 thoughts on “Was die Wiener Linien nicht falsch machen

  • 22. Oktober 2009 um 08:37
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    Ich find die Öffis generell zumindest in den Städten nicht übel. Natürlich kann mans nicht mit einem Auto (bzw. einem Taxi) vergleichen, mir kommt aber immer vor das die meisten die sich drüber aufregen genau das tun.

    Ich komm ja aus Klagenfurt. Finde die Öffis auch hier recht gut, einziges Manko ist das der letzte Bus immer um spätestens 23:30 fährt, während der EM wurde das um eine Stunde verlängert, war super.

    Meine (nicht personalisierte) aufladbare RFID Karte find ich auch super. Hinten einsteigen, gegen den Reader im Bus halten, fertig. Natürlich könnte Big Brother, wenn er einmal weiss das genau die eine RFID arte mir gehört mitschauen wann ich wohin fahr, aber zumindest is es nicht von Haus aus personalisiert.

    In Wien (wo ich heuer im Frühjahr 2 Monate nur mit Öffis unterwegs war) find ichs sowieso genial. Nachtbusse, hallo? Ziemlich genial. Und der kurze Takt bei der Bim. Wahnsinn. Bin nicht jeden Tag gefahren, daher war für mich die 8er Tageskarte am günstigsten. Das kommt dann auf 3,60 Euro pro Tag. Dafür fahr ich wohin ich will, kreuz und quer.

    Und gegenrechnen mit Auto/Taxi darf mans sowieso nie, da is es mit den Öffis immer um Welten billiger. 🙂

    • 27. Oktober 2009 um 16:44
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      In Wien fuhren die Öffis während der EM auch eine Stunde länger und mit relativ dichtem Takt. Das war praktisch, aber die Auslastung ging an den Tagen ohne Spiele gegen Null. Das ist auch das Problem: Die Öffis können nur dann attraktiv sein, wenn das Liniennetz und die Fahrpläne so dicht sind, dass die Verkehrsunternehmen ohne Förderungen keinen Gewinn machen könnten. Die Wiener Linien sind keine Ausnahme, sie bekommen von der Stadt einige hunderttausend Euro täglich, U-Bahn-Ausbau nicht miteingerechnet.
      Die Öffis dürfen aber den Vergleich mit dem Auto oder Fahrrad nicht scheuen, sonst haben sie gleich verloren. Es zählt aber nicht nur der Preis und die Geschwindigkeit, daher ist auch wichtig, dass die Verkehrsunternehmen Trams und Busse mit Klimaanlagen kaufen und auf die Sicherheit und Sauberkeit achten.

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