Insights on Poverty

Statistik ist fad. Oft. Zumindest dann, wenn man vor einer Tabelle mit demographischen und wirtschaftlichen Daten vieler Länder sitzt. Man kann zwar nachsehen, welches Land die höchste Geburtenrate (Niger, 53 pro 1000 Einwohner und Jahr) oder die längste Lebenserwartung (Japan, Hong Kong, 82) hat, aber das geht nicht weit über einen einfachen Vergleich mehrerer Länder hinaus. So richtig lebendig wird Statistik erst, wenn man die rohen Zahlen interpretiert, verschiedene Statistiken miteinander vergleicht, die zeitliche Entwicklung betrachtet und versucht, die Statistiken mit politischen, ökonomischen oder sozialen Ursachen und Auswirkungen in Zusammenhang zu bringen.

Hans Rosling macht das im folgenden TED Talk sehr gut:

Die Plattform, die Hans Rosling für den Vortrag verwendete, ist hier zu finden: Gapminder World

Eine ähnliche, wenn nicht sogar bessere Plattform, ist das OECD Factbook.

 

Weitere Blogposts und Artikel: TED TalksStatistik.

 

Vorhersagen sind schwierig…

Gestern fand im Rathaus das mittlerweile schon traditionelle Wiener Nobelpreisträgerseminar statt. Die Vorträge der drei Physiknobelpreisträger waren außerordentlich gut besucht und auch gut gemacht, aber auch für die breite Öffentlichkeit konzipiert und daher nicht besonders tiefgehend.

Im Anschluss an die Vorträge gab es eine Podiumsdiskussion zwischen Gerardus t’Hooft, George Smoot und Theodor Hänsch mit Herbert Pietschmann als Moderator. Gegen Ende der Diskussion bat er die Nobelpreisträger um ihre Vorhersagen für die Zukunft. Ein paar der Antworten waren erwartbar — wir brauchen mehr Naturwissenschaftler und Ingenieure, es gibt einen Mangel an Physiklehrern und Asien, besonders China, holt in den Naturwissenschaften und im Ingenieurwesen schnell auf . Es gab auch zwei Punkte, die ich für bloggenswert halte:

Gerard t’Hooft meinte, wir mögen uns mehr um Technologie und weniger um Design kümmern, und erwähnte dabei explizit Apple als Negativbeispiel.

George Smoot sprach die zunehmende Verbreitung von 3D-Druckern und die „desktop manufacturing revolution“ an, in der man sich die dreidimensionale Beschreibung eines Gegenstands herunterlädt, um ihn dann selbst zu drucken.

Meine Meinung dazu:

Apple ist eine Firma, die es gut versteht, Technologien, die es schon gibt, so zu adaptieren, kombinieren und integrieren, dass sie wirklich gut zu verwenden sind und toll aussehen. Dadurch, dass Apple stark vertikal ausgerichtet ist und von der Herstellung bis zur Garantiereparatur und vom Chipdesign bis zum App Store versucht, möglichst viel selbst zu machen, erfährt man von Apples technologische Innovationen nicht allzu viel. Wir erinnern uns: Apples iPod mini enthielt einen Microdrive, eine kleine mechanische Festplatte, die ursprünglich von IBM entwickelt und dann von Hitachi hergestellt wurde. Hätte Apple einen solchen selbstentwickelten Bauteil an seine -mehr oder weniger-Konkurrenten verkauft? Ich glaube, dass man Apples technologische Seite leicht übersieht, dass aber auch die Allgemeinheit nicht viel von der dort geleisteten Forschungsarbeit hat.

Smoot möchte ich beipflichten. Ich glaube, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage sicher ihren Teil dazu beiträgt, dass es immer populärer wird, sich mal wieder als Heimwerker zu betätigen oder selbst Gemüse anzubauen. Ein kleinerer Teil der „Maker“- und „Do-it-yourself“-Bewegung beschäftigt sich aber mit wirklich coolen zukunftsweisenden Dingen wie eben 3D-Druckern, anderen neuen Technologien zur Herstellung von Gegenständen, Biotechnologie, Robotern, Molekularküche, Sensornetzwerken, und vielem mehr.

1 Monat nach dem Tsunami in Japan

Heute vor einem Monat hat vor der Küste Japan jenes Erdbeben stattgefunden, das zu dem AKW-Unfall in Fukushima geführt hat.

Vor ein paar Tagen ist im Internet eine Kopie einer Powerpoint-Präsentation über Fukushima aufgetaucht. Die Folien tragen das Logo des französischen Atomkonzerns AREVA und sind mit 1.4.2011 datiert.

In der Präsentation wird recht anschaulich beschrieben, was nach der Katastrophe passiert ist beziehungsweise passiert sein könnte. Insbesondere ist darin recht gut dargestellt, wann die Japaner von wo wohin Druck abgelassen haben und was dabei geschehen ist. Diese Informationen sind in den Medien oft falsch oder ungenau präsentiert worden. (SCRAM bedeutet übrigens Reaktorschnellabschaltung.)

Für mich besteht kaum ein Grund, an der Authentizität der Folien zu zweifeln, allerdings muss man im Hinterkopf behalten, dass die Folien wahrscheinlich als Unterstützung zu einem Vortrag gedient haben und der Vortragende sicherlich das eine oder andere angemerkt hat.

Die ARD (WDR) war weniger zimperlich–sie hat „auf Teufel komm raus“ in die letzten Folien der Präsentation hineininterpretiert. Dabei ist der folgende Beitrag entstanden, den ich zwar nicht für ein Glanzbeispiel des TV-Journalismus, aber dennoch für sehenswert halte:

(„Monitor“, 7.4.2011)

Quellen:

Das PDF stammt von Anti-Atom-Piraten.de

50 Jahre bemannte Raumfahrt

50 Jahre bemannte Raumfahrt

Yuris Night 2011 Logo
© yurisnight.net

Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin an Bord des sowjetischen Raumschiffs Wostok als erster Mensch ins All und läutete damit das Zeitalter der bemannten Raumfahrt ein. Nur dreieinhalb Jahre nach dem Start des ersten Satelliten 1957, Sputnik 1, erreichte die UdSSR mit Gagarins 108-minütiger Erdumrundung einen weiteren Meilenstein des Wettlaufs ins All.

Seit damals ist der 12. April in der Sowjetunion der Tag der Kosmonauten. Yuri’s Night wurde 2001 in den USA das erste Mal gefeiert und wurde quasi über Nacht zum bahnbrechenden Erfolg: Heuer wird Yuri’s Night mit 629 Veranstaltungen in 61 Ländern der Erde gefeiert werden.

Das Programm von Yuri’s Night in Wien umfasst neben der obligatorischen Party auch ein gut besetztes Symposium mit dem Titel „Outer Space. Der Weg in den Kosmos.“
(Näheres zum Programm hier und im Meta-Physik-Blog)

Aus demselben Anlass zeigt die Kunsthalle Wien in der Ausstellung „Weltraum-Die Kunst und ein Traum“ bis zum 15.8., dass das All nicht nur ein physikalischer, sondern auch ein künstlerischer und symbolischer Raum ist.

Tot und lebendig: das Erwin-Schrödinger-Institut für mathematische Physik

Eines der vielen unangenehmen Nebenprodukte der heurigen Budgetverhandlungen, die an sich ja schon als verfassungswidrig spät angesetzt bezeichnet wurden, ist die geplante Kürzung der Subventionen für eine ganze Reihe österreichischer außeruniversitärer Forschungsinstitute. Auf der langen Liste, die Anfang November bekannt wurde,  finden sich ein paar allgemein bekannte Institute wie zum Beispiel das Institut für Höhere Studien und Wiss. Forschung – IHS, das Konrad-Lorenz-Forschungsinstitut in Grünau im Almtal und viele nahezu unbekannte Institute.

Für besonderes Aufsehen hat die geplante Streichung der Subventionen für das Erwin-Schrödinger-Institut für mathematische Physik gesucht. Weiterlesen