In Österreich gibt es jedes Jahr am ersten Samstag im Oktober einen Zivilschutz-Probealarm. Seit ein paar Jahren heulen zu diesem Anlass nicht nur die Sirenen, sondern auch die Smartphones zwitschern. Der Staat hat eine EU-Richtlinie umgesetzt und nennt das AT-Alert.
Die Technologie hinter AT-Alert, Cell Broadcast, stammt aus den späten 1990ern. Daher sollten auch recht alte Handys mit diesen Nachrichten zurechtkommen. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Nutzer verschiedene Cell-Broadcast-Themen abonnieren können und dann z.B. den aktuellen Wetterbericht oder den Ort der Funkzelle am Display sehen. Der aktuelle Anwendungszweck, Notfallbenachrichtigungen, kam erst später hinzu.
Die technischen Rahmenbedingungen
Um mit einem Feature Phone Cell Broadcasts empfangen zu können, muss man die ensprechende Themennummer (Message ID) abonnieren.
Für Notfallbenachrichtigungen via Cell Broadcast in Deutschland – DE-Alert – sind unter anderem die folgenden Themennummern vorgesehen:
| EU-Alert Level | Sprache | Cell Broadcast Message ID | Opt-out möglich? |
|---|---|---|---|
| Level 1 | Deutsch | 4370 | nein |
| Level 1 | andere (Englisch) | 4383 | nein |
| Level 2 | Deutsch | 4372 | ja |
| Level 2 | andere (Englisch) | 4385 | ja |
| Level 3 | Deutsch | 4378 | ja |
| Level 3 | andere (Englisch) | 4391 | ja |
| Level 4 | Deutsch | 4396 | ja |
| Level 4 | andere (Englisch) | 4397 | ja |
Quelle: Technische Richtlinien DE-Alert Ausgabe 1.1 (2022), Bundesnetzagentur, Seite 24f.
Die Richtlinien für EU-Alert von der ETSI sind breiter gefasst und enthalten noch mehr verschiedene Cell Broadcast-Message-IDs. Die in den deutschen Richtlinien verwendeten IDs sind eine Teilmenge davon.
Quelle: ETSI TS 123 041 V19.3.0 (2026-02), Technical realization of Cell Broadcast Service (CBS), ETSI, Seite 76ff.
Für AT-Alert habe ich kein vergleichbares Dokument gefunden. Daher habe ich über FragDenStaat eine Anfrage an das Innenministerium gestellt. Ich gehe vorläufig davon aus, dass man sich auch in Österreich an die Richtlinien für EU-Alert hält und in etwa dieselben Message IDs wie die Deutschen verwendet.
So funktioniert’s in der Praxis
Für Notfälle und als Zweithandy habe ich ein Nokia 3310, das ich vor Jahren auf einem Event von HMD Global geschenkt bekommen habe. Bei diesem Handy findet man die Cell Broadcast-Einstellungen in der Mitteilungen-App unter Optionen → Mitteilungseinstellungen → Betreibermitteilungen. Dort kann man die Message IDs als Themennummern eingeben und den Empfang von Nachrichten einschalten.
Der Test gestaltet sich langwierig, weil es den Zivilschutzprobealarm nur einmal jährlich gibt. Nichts desto trotz konnte ich mit Themennummer 4370 den vom Land Wien gegen 12:45 ausgesandten Alarm des Level 1 – „Notfallalarm“ – empfangen (siehe Bild).
Der vom Innenministerium als „Gefahreninformation“ gegen 12:00 verschickte Alarm kam nicht an, weder mit ID 4370, noch mit ID 4372, 4378, 4383 oder 919. Das kann an der ID liegen, kann aber auch einen anderen Grund haben: Cell Broadcast ist eine Art Rundfunk und bietet keine garantierte Zustellung von Nachrichten. Jene Mobiltelefone, die zum Zeitpunkt der Ausstrahlung in der Funkzelle eingebucht sind, sollten sie bekommen. Die, die gerade keinen Empfang haben, bekommen die Nachricht nicht.
Wozu der Aufwand?
Klassische Handys – „Feature Phones“ – haben häufig eine Akkulaufzeit von vielen Tagen und eignen sich daher als Ersatzhandy für Notfälle. Im Falle eines Stromausfalls hält der Akku des Feature Phones sicher länger als der eines modernen Smartphones, und vermutlich auch länger als die Notstromversorgung des Funkmasts. Gerade in solchen Situationen scheint es sinnvoll, Notfallbenachrichtigungen empfangen zu können. Man kann sich aber nicht darauf verlassen, dass man sie empfangen wird.





