Zum Winterbeginn

Zum Winterbeginn

Heute, am 21.12.2016, hat um 11:44 MEZ mit der Wintersonnenwende der astronomische Winter begonnen. Der Tag der Wintersonnenwende ist der kürzeste Tag des Jahres, die Nächte davor und danach sind die beiden längsten.

Allerdings bedeutet das nicht, dass die Sonne am 21. Dezember am spätesten aufgeht oder am frühsten untergeht. Aufmerksamen Beobachtern könnte schon aufgefallen sein, dass die Tage zum Abend hin bereits seit ein paar Tagen „länger“ werden.

In der folgenden Grafik habe ich die Zeitpunkte von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang für jeden Tag des Dezembers und Jänners dargestellt:

Auf der Achse links ist die Uhrzeit aufgetragen (von unten nach oben), unten das Datum. Die Aufgangs- und Untergangszeiten gelten für Wien. Die drei fetten Linien markieren den Tag des frühesten Sonnenuntergangs, den Tag der Sonnenwende und den Tag des spätesten Sonnenaufgangs. Wir sehen: der früheste Sonnenuntergang fand schon am 11. Dezember statt. Der späteste Sonnenaufgang wird aber erst am 1. Jänner stattfinden.

Die Zeitgleichung

Die beiden Gründe dafür sind in der Bewegung der Erde rund um die Sonne zu finden: Einerseits steht die Erdachse nicht senkrecht auf die Erdbahnebene, sondern ist um etwa 23° geneigt. Andererseits ist die Bahn der Erde nicht rund, sondern elliptisch, wodurch sich die Erde nicht immer gleich schnell rund um die Sonne bewegt. Astronomen haben schon früh die Auswirkungen zusammengefasst: Die sogenannte Zeitgleichung beschreibt, wie der Sonnenstand im Vergleich zur mittleren Ortszeit vor- oder nachgeht. Im Sommer führt das übrigens zu langen hellen Sommerabenden.

Komet C/2011 L4 PANSTARRS beobachten?

Komet C/2011 L4 PANSTARRS beobachten?

Es ergibt sich nicht jedes Jahr die Gelegenheit, einen Kometen über Wien mit freiem Auge oder mit einem guten Feldstecher zu beobachten. Der Komet C/2011 L4 (PANSTARRS) bietet uns bei schönem Wetter in den nächsten Tagen eine solche Gelegenheit.

Himmelsanblick für Wien am 17. 3. 2013 um 18:45 MEZ
Himmelsanblick für Wien am 17. 3. 2013 um 18:45 MEZ

Um den Kometen beobachten zu können, benötigt man…

  • Einen Beobachtungsort mit möglichst freier Sicht zum Westhorizont.
  • Einen Feldstecher oder ein Fernrohr. Es war gestern möglich, den Kometen mit freiem Auge zu beobachten, aber man musste genauestens wissen, wo man ihn zu suchen hat. In einem Fernrohr oder Feldstecher kann man ihn außerdem besser von den Sternen, die gegen Ende der Dämmerung allmählich erscheinen, unterscheiden. Ein Stativ für den Feldstecher ist eine gute Idee, aber nicht zwingend notwendig.
  • Klares Wetter–und zwar nicht nur einen möglichst wolkenfreien Himmel, sondern auch möglichst wenig Dunst.
  • Warme Kleidung und einiges an Geduld.

PanSTARRS war gestern ab ca. 18:30 mit dem Fernrohr der Urania-Sternwarte zu sehen und konnte dann ca. 20 Minuten später auch mit freiem Auge erahnt werden. Im Fernrohr konnte man den Schweif gut erkennen.

Darstellung mit Hilfe von Stellarium

Wer möchte, kann sich mit Hilfe von Astronomiesoftware wie zum Beispiel Stellarium auf die Beobachtung vorbereiten. Stellarium verfügt allerdings nicht von vornherein über die Bahndaten der Kometen, weil sich diese regelmäßig ändern, wenn die Bahn des Kometen genauer vermessen wird. Um Kometen darstellen zu können, geht man folgendermaßen vor.

Konfiguration–>Erweiterungen–>Sonnensystem-Editor–>konfigurieren–>Bahnelemente im MPC-Format importieren–>Typ Kometen, Quelle MPCs list of observable comets–>Bahnelemente importieren–>Existierende Objekte aktualisieren–>alles markieren–>Objekte hinzufügen

Die Kometen werden dann von Stellarium in etwa wie Planeten behandelt und daher auch nur dann angezeigt, wenn sie hell genug sind. Ihre Beschriftungen tauchen auf, wenn man im Fenster „Ansicht“ auf dem Reiter „Himmel“ bei „Beschriftungen und Markierungen“ den Regler „Planeten“ nach rechts zieht. In der derzeitigen Version kann Stellarium den Schweif von Kometen noch nicht darstellen.

Tipps zu Beobachtungsorten in Wien

Die Maya und der Weltuntergang 2012

Die Maya und der Weltuntergang 2012

In den letzten Monaten haben wir oft gehört, die Maya hätten den Weltuntergang für den 21.12.2012 prophezeit. Zahlreiche Websites untermauern diese Theorien, zahlreiche Medienberichte und Dokumentationen tragen zur Verwirrung bei.

Um auf dieses Themengebiet einzugehen habe ich in den vergangenen Monaten mit KollegInnen eine Führung für die Kuffner-Sternwarte erarbeitet. In „2012-Die Maya und der Weltuntergang“ beantworten wir unter anderem folgende Fragen:

  • Wer waren die Maya?
  • Wie funktionierte der „Maya-Kalender“?
  • Haben die Maya den Weltuntergang vorhergesagt?
  • Welche Weltuntergangsszenarien sind glaubwürdig, welche nicht?
  • Wie wird die Welt wirklich untergehen?
  • Wer profitiert vom „Weltuntergang“?

Kuffner-Sternwarte bei NachtAn den folgenden Terminen werde entweder ich oder eine Kollegin oder ein Kollege diese Führung halten:
7.4., 14.4., 5.5., 15.5., 2.6., 12.6. jeweils mit Beginn um 21:00
Kuffner-Sternwarte
Johann-Staud-Straße 10, 1160 Wien
Karten (für Erwachsene 7 €) können unter 01/729 54 94 oder per Internet reserviert werden (so wie im Kino: Reservierung sinnvoll, aber nicht immer notwendig).

Ich würde mich freuen, den einen oder anderen Leser meines Blogs auf der Sternwarte begrüßen zu können!

Insights on Poverty

Statistik ist fad. Oft. Zumindest dann, wenn man vor einer Tabelle mit demographischen und wirtschaftlichen Daten vieler Länder sitzt. Man kann zwar nachsehen, welches Land die höchste Geburtenrate (Niger, 53 pro 1000 Einwohner und Jahr) oder die längste Lebenserwartung (Japan, Hong Kong, 82) hat, aber das geht nicht weit über einen einfachen Vergleich mehrerer Länder hinaus. So richtig lebendig wird Statistik erst, wenn man die rohen Zahlen interpretiert, verschiedene Statistiken miteinander vergleicht, die zeitliche Entwicklung betrachtet und versucht, die Statistiken mit politischen, ökonomischen oder sozialen Ursachen und Auswirkungen in Zusammenhang zu bringen.

Hans Rosling macht das im folgenden TED Talk sehr gut:

Die Plattform, die Hans Rosling für den Vortrag verwendete, ist hier zu finden: Gapminder World

Eine ähnliche, wenn nicht sogar bessere Plattform, ist das OECD Factbook.

 

Weitere Blogposts und Artikel: TED TalksStatistik.

 

Vorhersagen sind schwierig…

Gestern fand im Rathaus das mittlerweile schon traditionelle Wiener Nobelpreisträgerseminar statt. Die Vorträge der drei Physiknobelpreisträger waren außerordentlich gut besucht und auch gut gemacht, aber auch für die breite Öffentlichkeit konzipiert und daher nicht besonders tiefgehend.

Im Anschluss an die Vorträge gab es eine Podiumsdiskussion zwischen Gerardus t’Hooft, George Smoot und Theodor Hänsch mit Herbert Pietschmann als Moderator. Gegen Ende der Diskussion bat er die Nobelpreisträger um ihre Vorhersagen für die Zukunft. Ein paar der Antworten waren erwartbar — wir brauchen mehr Naturwissenschaftler und Ingenieure, es gibt einen Mangel an Physiklehrern und Asien, besonders China, holt in den Naturwissenschaften und im Ingenieurwesen schnell auf . Es gab auch zwei Punkte, die ich für bloggenswert halte:

Gerard t’Hooft meinte, wir mögen uns mehr um Technologie und weniger um Design kümmern, und erwähnte dabei explizit Apple als Negativbeispiel.

George Smoot sprach die zunehmende Verbreitung von 3D-Druckern und die „desktop manufacturing revolution“ an, in der man sich die dreidimensionale Beschreibung eines Gegenstands herunterlädt, um ihn dann selbst zu drucken.

Meine Meinung dazu:

Apple ist eine Firma, die es gut versteht, Technologien, die es schon gibt, so zu adaptieren, kombinieren und integrieren, dass sie wirklich gut zu verwenden sind und toll aussehen. Dadurch, dass Apple stark vertikal ausgerichtet ist und von der Herstellung bis zur Garantiereparatur und vom Chipdesign bis zum App Store versucht, möglichst viel selbst zu machen, erfährt man von Apples technologische Innovationen nicht allzu viel. Wir erinnern uns: Apples iPod mini enthielt einen Microdrive, eine kleine mechanische Festplatte, die ursprünglich von IBM entwickelt und dann von Hitachi hergestellt wurde. Hätte Apple einen solchen selbstentwickelten Bauteil an seine -mehr oder weniger-Konkurrenten verkauft? Ich glaube, dass man Apples technologische Seite leicht übersieht, dass aber auch die Allgemeinheit nicht viel von der dort geleisteten Forschungsarbeit hat.

Smoot möchte ich beipflichten. Ich glaube, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage sicher ihren Teil dazu beiträgt, dass es immer populärer wird, sich mal wieder als Heimwerker zu betätigen oder selbst Gemüse anzubauen. Ein kleinerer Teil der „Maker“- und „Do-it-yourself“-Bewegung beschäftigt sich aber mit wirklich coolen zukunftsweisenden Dingen wie eben 3D-Druckern, anderen neuen Technologien zur Herstellung von Gegenständen, Biotechnologie, Robotern, Molekularküche, Sensornetzwerken, und vielem mehr.