The Afghan War Diary-der österreichische Blickwinkel

Das von den Truppen der USA und der ISAF (International Security Assistance Forces, unter Leitung der NATO) verfasste und am 25. Juli 2010 von Wikileaks veröffentlichte „Afghan War Diary“ enthält über 91000 Berichte der Soldaten, die die verschiedensten Aspekte des Konflikts beschreiben-von im Kampf getöteten Soldaten bis zu Fahrradunfällen, von der fehlgeleiteten Drohne bis zum freundlichen Besuch bei der pakistanischen Armee.

Die Berichte dieser Chronik sprechen Bände über das, was die Armeen der USA, Großbritannien und Deutschland in Aghanistan taten und tun. Aber ist nicht auch Österreich in Afghanistan vertreten?


Ja. Österreich ist mit 3 Soldaten (oder Soldatinnen?) in Afghanistan vertreten. Was sie dort tun, geht aus der jetzt veröffentlichten Chronik des Krieges nicht unmittelbar hervor. Wohl aber fallen zwei Dinge auf:

Das Spital

Im Mai 2007 besichtigt ein Wiederaufbauteam (Provincial Reconstruction Team, PRT) ein Ende 2006 fertiggestelltes Krankenhaus in der Provinz Parwan, das vom afghanischen Gesundheitsministerium betrieben wirde–oder besser gesagt: nicht betrieben wird. Das afghanische Gesundheitsministerium stellt für die Spitäler in der Provinz, die mit internationaler Hilfe errichtet wurden, weder Personal noch Einrichtung oder Medizin zur Verfügung. Das PRT trifft aber einen Mann, der vor dem Spital die Bäume gießt und von einem neuen Spital 30 Minuten weiter entlang der Straße nach Bamian erzählt. 16km weiter stoßen die Soldaten auf ein fast fertiges, groß angelegtes, gut ausgestattetes Spital für 40 Betten mit OP, Notaufnahme, Labor, Röntgen, Apotheke und allem Drum und Dran, inklusive eigener Wohngebäude fürs Personal, Wasserreservoirs, Generatoren und so weiter. Für die Finanzierung sind Österreicher aufgekommen.

Das PRT muss verdutzt feststellen, dass das „österreichische“ Spital in jeder Hinsicht besser als „ihr“ eigenes Projekt ein paar Kilometer entfernt ist–größer, besser ausgestattet, besser geplant und vor allem bald fertig. Blöderweise haben weder „die Österreicher“ noch die afghanische Regierung der US-Armee gesagt, dass dort ein Krankenhaus errichtet wird.

„Die Österreicher“, das ist vor allem Haji Hussein Bakhsh Bashir, ein Teppichhändler aus Wien, der für das Projekt die Villa seiner Vorfahren in Kabul um 1 Million Dollar verkauft hat und damit dieses Spital finanziert. Ausgerechnet die Kronen Zeitung hat darüber berichtet.

Auf dem Plan sieht man die Gebäude des Spitals gut:


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Die Mörsergranaten

Der zweite Teil ist für Österreich weniger ruhmreich: Die US-Soldaten berichten über Funde von Munition aus Österreich, hauptsächlich Handgranaten und 82mm-Mörsermunition, einiges davon aus dem Jahr 2006, also ganz neu. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es sich dabei um Imitationen handelt, aber es würde mich persönlich nicht wundern, wenn diese Munition tatsächlich aus Österreich über Drittländer in die Hand der Rebellen gelangt ist. (Vielleicht kennt sich jemand besser mit der österreichischen Rüstungsindustrie aus, ich hab vorläufig mal diese Firma gefunden, die 81mm-Geschoße herstellt.)

Update: Es könnte der Eindruck entstehen, das Spital stünde mit der Munition in Verbindung. Das ist nicht der Fall-die einzige bekannte Verbindung zwischen den beiden Teilen ist, dass über beide in der Chronik berichtet wird.

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