Im Test: Philips PicoPix 3614 Taschenbeamer

Im Test: Philips PicoPix 3614 Taschenbeamer

PicoPix (9)Wenn ich mir ein neues elektronisches Gerät ansehe, stelle ich mir gerne die Frage „Für wen und für welche Anwendungen ist das gemacht?“

Oft gibt es darauf eine recht eindeutige Antwort—ein e-Reader richtet sich an Leute, die gerne und viel lesen, ein Fitnesstracker an HobbysportlerInnen, und so weiter. Bei manchen Geräten ist das nicht der Fall, und das kann durchaus interessant und spannend sein, weil sich neue Möglichkeiten und Anwendungsbereiche ergeben.

Der Philips PicoPix 3614 LED Beamer, den ich testen durfte, fällt in die zweitere Kategorie.

Zum Gerät selbst

Touchpad mit LED-Leiste, Fokussierrad
Touchpad mit LED-Leiste, Fokussierrad

Der PicoPix hat eine Auflösung von 854 x 480 Pixel, die er mit einem Abbildungsverhältnis von 16:9 und einer normierten Leuchtkraft von 140 Lumen auf die Leinwand bringt.

Bedient werden kann der Beamer wahlweise über ein Touchpad an der Oberseite, eine kleine Fernbedienung oder eine Smartphone-App, die unter anderem das Touchpad simuliert.

Als Betriebssystem verwendet der Beamer eine recht alte Version von Android (2.3.1). Dank des eingebauten Li-Ionenakkus kann man das Gerät auch ohne Stromversorgung 1-2 Stunden lang verwenden, allerdings mit leicht reduzierter Bildhelligkeit.

Wer sich übrigens erwartet, dass ein LED-Beamer komplett geräuschlos ist, liegt falsch: Die LED muss durch einen kleinen Ventilator gekühlt werden.

Mit einer Größe von 10,5 x 10,5 x 3,15 cm ist der Beamer angenehm kompakt und passt in jede Tasche.

Die Funktion als Beamer

bei normaler Raumhelligkeit mit einer Entfernung von 1m aufgenommen
Das Bild wurde bei normaler Raumhelligkeit mit Projektionsabstand von etwa 1m aufgenommen. Durch die Helligkeit des Beamer-Bildes ist die weiße Wand stark unterbelichtet.

Die eigentliche Aufgabe erfüllt der PicoPix sehr gut. Die Optik hat keine Zoomfunktion, aber einen manuell zu verstellenden Fokus. Das Bild ist scharf und schön hell, letzteres besonders dann, wenn der Beamer ans Stromnetz angeschlossen ist und die Wand nicht allzu weit weg ist. Das Verhältnis von Breite zu Entfernung ist etwa 0,55, das heißt, mit einem Meter Abstand zur Wand liefert der Beamer ein 55cm breites Bild. Die auf der Packung und im Datenblatt angegebene Bilddiagonale von 305cm wird bei etwa 5 Metern Abstand erreicht.

Das Ventilatorgeräusch war im Test nach einigen Minuten Betrieb hörbar, wie bei „normalen“ Beamern auch. Der Ton aus dem eingebauten Lautsprecher ist angesichts der Größe ganz in Ordnung–man sitzt ohnehin in dessen Nähe. Wer es gerne so laut wie im Kino hat, sollte Kopfhörer, ein Paar Aktivlautsprecher oder eine Docking Station anschließen.

Die Bedienung funktioniert mit der Fernsteuerung sehr gut. An das Touchpad muss man sich ein bisschen gewöhnen, dann geht’s aber auch. Die Smartphone-App funktioniert zufriedenstellend. Das Touchpad ist insbesondere dann interessant, wenn man die normale Android-Oberfläche verwenden möchte. Der Beamer verfügt über einen seitlich angebrachten Ein-/Aus-Schiebeschalter, der mit dem Power-Knopf eines Android-Smartphones verglichen werden kann. Betätigt man ihn lang, fährt der Beamer hoch oder runter. Betätigt man ihn kurz, wechselt das Gerät in den Standby-Modus, in dem weder der Ventilator noch die bildgebende LED aktiv sind. Mit dem entsprechenden Knopf auf der Fernbedienung kann man den Beamer in den Standbymodus schicken oder aus diesem wieder erwecken. Es ist nicht möglich, den Beamer per Fernsteuerung hochzufahren.

Weitere Funktionen

Netzgerät, Mini-USB, SD-Card/MMC, Mini-HDMI und Kopfhörer
Netzgerät, Mini-USB, SD-Card/MMC, Mini-HDMI und Kopfhörer

Das Betriebssystem Android und die Hardware (USB-Port, SD-Card-Leser, WLAN, …) eröffnen einige weitere Möglichkeiten, die aber meiner Meinung nach leider nur unzureichend genützt werden. Wenn man den Beamer ins heimische WLAN hängt, kann man per DLNA auf Medieninhalte (Bilder, Videos, Musik) zugreifen, die von Computern oder NAS-Geräten im Netzwerk geteilt werden. Mit Bildern funktioniert das einwandfrei. Videos tendieren ein wenig zum Stottern, wenn der WLAN-Empfang nicht gut genug ist.

Im Gegensatz zu vielen „normalen“ Beamern kann man den PicoPix auch per USB-Stick oder SD-Karte mit Bild- und Videomaterial versorgen. Das funktioniert sehr gut. Über Android Apps kann man auch Dokumente, z.B. PDFs oder Word-Dokumente anzeigen.

Es ist auch möglich, den Inhalt des Laptop-Bildschirms auf den Beamer zu spiegeln. Dazu dient eine Software, die auf dem offenen TightVNC basiert und praktischerweise auch gleich vom internen Speicher des Beamers über USB geladen werden kann. Die Auflösung des PC-Bildschirms wird dabei auf die Auflösung des Beamers heruntergesetzt. Das funktioniert sehr gut.

Eine aktuellere Android-Version und eine Anbindung an einen App Store wären nett. Dann könnte man eventuell Apps von Netflix, Amazon, Vimeo etc. nutzen, um Inhalte direkt über das Internet auf den PicoPix zu streamen. Allerdings weiß ich nicht, ob die Hardware dies mitmachen würde. Ich habe nicht den Eindruck, dass es zu diesem Gerät eine aktive Community gibt, die alternative Android-Varianten („Custom ROMs“) entwickelt. Es kann aber sein, dass ich einfach nicht an der richtigen Stelle geschaut habe.

Zubehör

PicoPix (2)Philips legt dem Beamer neben Fernsteuerung, Ladegerät und Tasche ein USB-Kabel und ein HDMI-Kabel bei. Es gibt eine ganze Menge von Zubehör, die man über eine beiliegendes Bestellformular beziehen kann—einige verschiedene Adapterkabel (VGA, MHL, Component Video, …), DVB-T-Empfänger, eine größere Tasche und zwei verschiedene Docking Stations („Sound Station“/“Pico Station“ und „TV Station“). Leider sind diese nicht ganz billig. Die beiden Docking Stations haben bessere Lautsprecher und zusätzliche Akkus integriert, die dem Beamer laut Herstellerangaben bis zu zwei (TV Station) bzw. drei Stunden zusätzliche Wiedergabezeit verschaffen.

Verwendungsszenarios

Im privaten Rahmen kommt der PicoPix dann in Frage, wo große Beamer oder Fernsehgeräte unpraktisch sind oder stören. Beispielsweise kann ich mir gut vorstellen, auf den normalen Fernseher zu verzichten und bei Bedarf den Beamer mit einer der beiden Docking Stations (Zubehör) aus dem Schrank zu holen und aufzustellen. Über den HDMI-Anschluss sollte es auch möglich sein, eine Chromecast oder Ähnliches anzuschließen. (Mangels Chromecast habe ich das allerdings nicht getestet. Dazu benötigt man einen Mini-HDMI (Typ C) auf HDMI-Adapter.)

Im Wochenendhaus oder Camper kann der Beamer auch eine gute Figur machen, vorausgesetzt, eine Projektionsfläche ist vorhanden. Natürlich könnte man ihn dazu verwenden, um Filme im Schlafzimmer auf die Decke zu projizieren.

Um von Stromnetz unabhängig zu sein und dennoch einen Spielfilm in voller Länge genießen zu können, kann man eine der Docking Stations aus dem Zubehör verwenden. Der Beamer lässt sich angeblich auch über handelsübliche Power Banks per USB mit Strom versorgen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Beamer eine sinnvolle Anschaffung für Leute ist, die oft unterwegs geschäftliche Präsentationen mit ein paar Zusehern halten müssen. Auch auf einem Messestand könnte das Gerät eine gute Figur machen, wenn dieser nicht allzu stark beleuchtet ist.

Ein Bekannter von mir verwendet einen ähnlichen Beamer, um bei Führungen in einem Freiluftplanetarium Bilder zeigen zu können. Aus zwei unterschiedlichen Quellen habe ich gehört, dass diese Beamer auf Berghütten mitgenommen wurden, um Fotos oder Powerpoint-Präsentationen herzuzeigen. Im Prinzip passen diese Geräte dort, wo Laptopbildschirme und Tablets zu klein, aber gewöhnliche Beamer zu sperrig oder stromhungrig sind.

Aufgrund der Größe, der langen Lebensdauer der LED (~30.000 Stunden) und der Möglichkeit, ihn über WLAN zu steuern, bietet er sich auch für Museen und Ausstellungen an.

Fazit

Der PicoPix ist ein Gerät, das sich für einige Anwendungszwecke als recht praktisch erweisen wird. Es wäre praktisch, wenn er mit einer aktuellen Version von Android ausgeliefert würde.