Tschau mit au, X.

Ich verlasse Twitter. Ja, die Plattform heißt seit ein paar Jahren X. Die meisten meiner Tweets habe ich aber auf Twitter geschrieben. Die Community war auf Twitter. Die Ethik und der Umgangston haben sich mit der Übernahme und Umbenennung zu X geändert. Ich mochte X nie und seinen Eigentümer schon gar nicht. Genausowenig möchte ich X nun meine 46.000 Tweets überlassen.

Die Tweets habe ich archiviert. Vielleicht werden sie demnächst hier oder im Fediverse wieder auftauchen. Mein Twitter-Konto werde ich wahrscheinlich fürs erste nur ruhend stellen – ich möchte nicht, dass jemand anderer den Username registrieren kann. Und so eine leere Hülle schaut für eine Plattform auch nicht gut aus.

Bleibt das Problem: Wie lösche ich 46.000 Tweets?

Eine Suche nach „Tweet delete“ führt zu einigen Anbietern, deren Websites gar nicht auf den ersten Blick vermitteln, was die Dienste können und was es kostet. Alle brauchen vollen Zugriff auf das Konto. Der eine oder andere Anbieter möchte mir ein Jahresabo andrehen. Das klingt für mich in etwa so sinnvoll wie ein Jahresabo für Blinddarmentfernungen.

Eine andere Lösung muss her. Zum Glück weiß ich, dass Luca vor mehreren Jahren ein Skript zum Löschen von Tweets geschrieben hat. Das läuft lokal im eigenen Browser und schickt Anfragen an X’s offizielles API. Man kann ihm bei der Arbeit zuschauen und sieht, was passiert.

Den Leuten von X ist das offenbar weniger recht. Daher haben sie ihr API auf 200 Anfragen pro ~14 Minuten beschränkt. Mit dieser Beschränkung müssen auch alle kommerziellen Anbieter leben, es sei denn, sie haben einen besonderen Deal mit X. Das Skript leert das Twitterkonto nun also eher gemächlich. Allemal besser als ein Jahresabo.

Meinungsverstärker Social Media?

Vor ein paar Wochen habe ich meinen Twitter-Account vorübergehend ruhend gestellt*. Der Grund dafür war, dass ich einerseits viel Zeit auf Twitter verbracht habe, andererseits aber für mich, in diesem Moment, den Eindruck hatte, daraus nicht wirklich viel Nutzen zu ziehen. Das ist nicht als Kritik an Twitter oder der „Twitteria“ gedacht – es ist bloß mein Eindruck.

In der Zwischenzeit sind mir viele Dinge aufgefallen, die ich auf Twitter posten hätte können. Ich hätte den @WienerLinien tweeten können, dass in der Straßenbahngarnitur mit der Nummer 26 die Störungsmeldung nicht zu hören ist („dingdong-krcrhhrch…chksksrk-dongding“). Ich hätte ein paar Fotos von Essen posten können und auch das eine oder andere nette Meme. Ein paar Artikel aus einem Medium wie etwa der New York Times hätte ich wahrscheinlich auch getweetet.

Viele Tweets, die ich mir in der Zwischenzeit – ohne jegliche Entzugserscheinungen – verkniffen habe, waren reine Meinungs-Tweets. Darunter positive („Meine Augenärztin ist so gut organisiert, dass ich auf ein E-Mail mit einer Terminanfrage binnen einer halben Stunde eine Antwort bekomme“) und auch einige negative („Ich finde (…) soo nervig!“)

Ein Blick in meine Twitter-Timeline zeigt: Mit den negativen Tweets wäre ich absolut nicht alleine gewesen. Es mag therapeutisch sein, sich den Frust über kleine Probleme des Alltags und größere Probleme der Welt und der Politik wienerisch matschgernd von der Seele zu schreiben. Bekommt man ein Echo, so erfährt man: „Du bist mit deinem Ärger nicht alleine.“ Mein Eindruck ist, dass manche dieser Tweets in der Echokammer namens „Twitterbubble“ ganz besonders lange nachhallen. Manche der Tweets sind auch einfach pure unqualifizierte Meinung: „Bin ich froh, dass Club-Mate die Flaschen ausgehen – das Zeug schmeckt ja eh wie nasse Zigarettenstummel.“ (Nebenbemerkung: Woher weiß der Schreiber, wie nasse Tschickstummel schmecken? 😉 )

Aber ist es denn sinnvoll, sich mehrmals täglich die Matschgerei einiger via Timeline zu Gemüte zu führen? Tut es dem eigenen Gemüt gut, regelmäßig agitiert zu werden? Ich mutmaße: nein.

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Wie ihr als geschätzte Leser dieses Blogs wisst, schreibe ich hin und wieder ein paar Worte auf Twitter. Grund genug, am Ende des Jahres einen weiteren Blick auf jene zehn meiner Tweets zu werfen, die bei den Usern den meisten Anklang gefunden haben:


Auf Anregung der Grünen wurde einem langjährigen Wunsch der Uni Wien und der ÖH entsprochen: der nach dem antisemitischen Bürgermeister Dr. Karl Lueger benannte Teil der Ringstraße, an dem auch die Universität Wien ihren Sitz hat, wurde zum Universitätsring. Google hatte jedoch seine Probleme mit dieser Umbenennung und nannte die Straße eine Zeit lang „Umbennant Worden„(sic!).


Nachdem der Obmann der Kärntner ÖVP, Josef Martinz, im „Birnbacher-Prozess“ gestand, „Nach der Abwicklung des Hypo-Verkaufes haben Haider und ich die Idee entwickelt, dass etwas an die Parteien gehen soll.“ (Quelle), publizierte NEWS am Cover einen Partezettel für die ÖVP.


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