Wie viel Arbeit ist ein Uni-Studium?

In der wieder mal aktuellen Bildungsdebatte wird zwischen den Zeilen die Auffassung propagiert, Studieren wäre ohnehin so eine lässige Sache und Studentinnen und Studenten würden ohnehin mehr als genug Freizeit haben. Finanzminister Josef Pröll von der VP argumentierte unlängst in der Presse, „Man kann doch zur Sanierung des Landes verlangen, dass sich die 24-Jährigen auf eigene Beine stellen.

Nun, wie zeitaufwändig stellt sich der Gesetzgeber ein Studium vor?

Das Universitätsgesetz definiert den Arbeitsaufwand eines Studiums folgendermaßen: (§51 (2) Z26 Universitätsgesetz 2002)

Der Umfang der Studien mit Ausnahme der Doktoratsstudien ist im Sinne des Europäischen Systems zur Anrechnung von Studienleistungen (European Credit Transfer System – ECTS, 253/2000/EG, Amtsblatt Nr. L 28 vom 3. Februar 2000) in ECTS-Anrechnungspunkten anzugeben. Mit diesen Anrechnungspunkten ist der relative Anteil des mit den einzelnen Studienleistungen verbundenen Arbeitspensums zu bestimmen, wobei das Arbeitspensum eines Jahres 1500 Echtstunden zu betragen hat und diesem Arbeitspensum 60 Anrechnungspunkte zugeteilt werden.

Die ECTS-Punkte beziffern den gesamten Zeitaufwand, also sowohl die Zeit, die die Lehrveranstaltung selbst in Anspruch nimmt, als auch die Zeit, die fürs Lernen, Schreiben von Seminararbeiten, Lösen von Übungsbeispielen und so weiter aufgewendet werden muss.

1 ECTS-Punkt entspricht somit 25 Arbeitsstunden (1500/60).

Das Semester hat zirka 15 Wochen (das nicht mehr gültige Universitäts-Studiengesetz schrieb genau 30 Wochen pro Studienjahr und mindestens 14 pro Semester vor, nunmehr können die Unis das flexibler gestalten). Die Bachelor- und Masterstudienpläne sind so gestaltet, dass auf jedes Semester 30 ECTS kommen (insgesamt 180 ECTS für Bachelor und 120 ECTS für Master).

Aus diesen Angaben ergibt sich eine Arbeitszeit von 50 Stunden pro Woche während des Semesters (25*30/15).

In Deutschland geht die Kultusministerkonferenz sogar von einem Zeitaufwand von 1800 Stunden pro Jahr aus, das ergäbe 30 Stunden pro ECTS bzw. 60 Stunden pro Woche.

Natürlich bleiben in diesen Berechnungen die vorlesungsfreien Zeiten (vor allem im Sommer) unberücksichtigt. Es bleibt aber auch unberücksichtigt, dass viele Studierende mehr Lehrveranstaltungen als vorgeschrieben besuchen und im Sommer ohnehin Ferialjobs haben.

Das eigentliche Ergebnis der Wiener Gemeinderatswahlen

Wahlergebnisse der Gemeinderatswahlen in Wien
Wahlergebnisse der Gemeinderatswahlen in Wien, Angaben in % d. Wahlberechtigten

Update 28.10.2010: Grafik ausgetauscht, Text korrigiert

Natürlich sind 27% für die FPÖ für viele Wienerinnen und Wiener (für 73% derer, die zur Wahl gegangen sind) kein erfreuliches Ergebnis. Ein Blick auf die Ergebnisse der Wiener Gemeinderatswahlen zeigt, dass das Wahlergebnis dem von 1996 ziemlich ähnlich ist, freilich ohne das Liberale Forum. Ungefähr 27% der Wiener Wahlberechtigten haben sich für eine rechte Partei entschlossen-ÖVP, FPÖ oder BZÖ. Faktum ist, dass nicht jeder vierte Wiener bei den Gemeinderatswahlen die FPÖ gewählt hat, sondern dass nur die Hälfte der Wienerinnen und Wiener überhaupt irgendjemanden wählen konnte, durfte* oder wollte.

* zum Beispiel dürfen in Wien wohnende BürgerInnen anderer EU-Staaten nicht den Gemeinderat wählen, sondern nur die Bezirksvertretungen. (Dies wird allerdings nicht im Diagramm wiedergegeben.)

Update 29.10.2010: Roland Giersig fragte nach den Veränderungen, die die spät eingelangten Wahlkarten herbeigeführt haben:

In den nach 03:00 am Tag nach dem Wahltag ausgezählten gültigen Stimmen (Wahlkarten) sind die Parteien folgendermaßen vertreten:

SPÖ 44,6% (statt 44,3% im Endergebnis)
ÖVP 17,9% (statt 14,0%)
GRÜNE 14,9% (statt 12,6%)
FPÖ 19,4% (statt 25,8%)
restliche Parteien max. +/- 0,1% verschieden vom Endergebnis

Nur 1,3% der nach dem 11.10. 03:00 ausgezählten Wahlkarten waren ungültig, im Endergebnis waren 2,5% der abgegebenen Stimmen ungültig. (Das wundert mich.)

Von den spät eingelangten Wahlkartenstimmen konnte vor allem die ÖVP profitieren, die 0,7% zulegte. Vielleicht zeigte Christine Mareks dummes „Der Wahltag ist schon vorbei, aber Sie können Wahlkarten trotzdem noch einschicken“-Inserat Wirkung.
SPÖ +0,1%, Grüne +0,4%. Die FPÖ verlor 1,2%.

Die Wahlbeteiligung stieg um 10,7% von 56,9% auf 67,6%. (Das ist auch der Grund dafür, warum das Diagramm vorher anders aussah.)

Meine Wahlempfehlung für Wien

Wenn manche Parteien auf Bundesebene und in Wien wieder einmal ins politische Gruselkabinett abtauchen um danach eine Schlacht der grauenhaftesten Fundstücke zu veranstalten, dann steht wieder einmal die Wiener Gemeinderatswahl im Kalender.

Wenn es nach mir ginge, könnte der Wahlkampf schon vorbei sein. Ich habe eine fixe Vorstellung davon, welche Partei meine Stimme bekommen könnte und auch schon eine Idee, wer die Vorzugsstimme brauchen kann. Überhaupt sollte ich doch die Akteure daran messen, was sie in den Jahren vor der Wahl getan haben, und nicht bloß anhand der Versprechungen, die mich zu Wahlkampfzeiten aus werbeoptimierten Imagebroschüren und von sorgfältig designten dreieckigen plakativen Hindernissen angrinsen. Papier ist geduldig, leider.

Daher meine Wahlempfehlung für alle, denen es ähnlich wie mir geht: Bestellt eine Wahlkarte, am besten jetzt, online. Füllt sie aus, sobald ihr sie bekommt-und ab in den nächsten Postkasten. In den restlichen Tagen vor der Wahl könnt ihr dann den Wahlkampf mit bestem Gewissen ignorieren–und das Wahlwochenende dazu nützen, wieder mal aufs Land zu fahren. Mami freut sich sicher.